Lindroth, Malin: Ungebunden

Eine tiefgründige Auseinandersetzung mit der brisanten Thematik der „alten Jungfer“.

„Ungebunden“ – Ein Buchtitel, der viele Assoziationen auslöst und mich deshalb unglaublich neugierig machte. Freiheit und Unabhängigkeit sind Schlagwörter, die sich aufdrängen, aber kurz danach kommen auch andere Gedanken auf: beziehungslos, haltlos, heimatlos, allein.

Malin Lindroth, zum Zeitpunkt der Entstehung des Textes im Jahr 2017 52 Jahre alt, erzählt in diesem persönlichen Werk sehr reflektiert, offen und ehrlich von schmerzhaften Erfahrungen und wirft dabei viele interessante Fragen auf.

Es geht dabei nicht nur um ihr unfreiwilliges Dasein als sog. „alte Jungfer“, das trotz der Fähigkeit, damit gut zurechtzukommen, zuweilen Verbitterung, Zorn, Trauer und Neid bedingt, sondern auch um den Begriff an sich und um die Bedeutung dieses Beziehungsstatus im Verlauf der gesellschaftlichen Historie, vom Mittelalter bis Heute.

Malin Lindroth erzählt im Speziellen von ihrem unerfüllten Beziehungsleben und Singledasein. Sie hat viele Zurückweisungen und Enttäuschungen erlebt und musste immer wieder erleben, dass sich ihre Wünsche nicht erfüllen ließen.

Sie beschreibt damit einen Zustand bzw, eine Lebensform, der bzw. die vom Üblichen abweicht und deshalb von Vielen, auch zuweilen von ihr selbst, kritisch und abwertend beurteilt wurde.

Im Allgemeinen geht es aber auch um gesellschaftlichen Normen und Erwartungen, die nicht erfüllt werden und sie setzt sich damit auseinander, welche Folgen dieses Abweichen von der vermeintlichen Normalität hat.

Hat man einen Makel, für den man sich schämen muss? Ist man ein Außenseiter, der nirgends dazu gehört und mit dem etwas nicht stimmt? Ist man ein Versager oder eine Gescheiterte, weil man kein Leben im konventionellen Sinn lebt? Ist es in Ordnung, ein anderes Lebenskonzept zu verfolgen? Hat man einfach nur Pech, weil das Leben einem nicht gibt, was man sich wünscht, obwohl man es eigentlich verdient hätte?

Die Gründe für den Beziehungsstatus „Single“ sind vielfältig und komplex. Es muss weder eine Beziehungsstörung vorliegen, noch muss es sich um eine freie Entscheidung handeln. Es kann schlicht und ergreifend sein, dass es sich so ergeben hat, weil einem „die Liebe nicht über den Weg gelaufen ist“.

Der Autorin gelingt es bravourös, sich ernsthaft, ehrlich, ungeschönt und tiefgründig, aber auch mit Humor und v. a. sehr unterhaltsam mit dieser schmerzlichen, traurigen und gewichtigen Thematik auseinanderzusetzen.

Ihre Geschichte wird dabei zu einer kraftvollen und inspirierenden, letztlich auch optimistischen Geschichte. Malin Lindroth ermutigt dazu, selbstbewusst zu sich zu stehen und sich von Schubladendenken, Vorurteilen, eigenen destruktiven Gefühlen und Gedanken, sowie von Abhängigkeiten zu befreien.

Ich empfehle dieses berührende, nachhallende und faszinierende Werk sehr gerne weiter.

Es soll den betroffenen Singlefrauen Mut machen und ihnen helfen, sich von inneren und äußeren Zwängen und Erwartungen zu befreien, es soll allen anderen Lesern die Augen öffnen und es appelliert an Toleranz. Leben und Leben lassen.

5/5⭐️

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