Buchholz, Frauke: Frostmond

Was für ein Kriminalroman!

Informativer Inhalt, interessante Thematik, fesselnder und spannender Plot, äußerst gefälliger Schreib- Sprach- und Erzählstil … literarisch durchaus ansprechend, wenn auch kein literarisches Highlight.

Aber jetzt erst einmal der Reihe nach!

Mit Beginn der Lektüre landen wir in Kanada.

Die 15-jährige Jeanette Maskisin wird in Montreal tot aufgefunden. Die junge Frau wurde, bevor sie leblos am Ufer des Flusses angeschwemmt wurde, gefoltert, misshandelt und schließlich durch einen Kopfschuss getötet.

Die Medien berichten ausführlich und detailliert darüber.

Der Ermittler Sergeant Jean-Baptist LeRoux und der Profiler Ted Garner werden beauftragt, den Fall zu lösen.

Sie haben kein unkompliziertes und harmonisches Verhältnis, aber ihre Vorurteile der indigenen Bevölkerung gegenüber verbindet sie. Aus diesem Grund strotzen sie nicht vor Enthusiasmus und legen keinen besonderen Eifer an den Tag, als sie sich an ihre Arbeit und die Aufklärung des Falles machen.

Da Jeanette aus einem Cree-Reservat im hohen Norden Quebecs stammt, geht die Reise des unsympathischen und ziemlich klischee- und schablonenhaft gezeichneten Ermittlerduos zunächst dorthin.

Sie werden aber alles andere als herzlich willkommen geheißen, weil die First-Nation-Familien nachvollziehbarerweise gekränkt und misstrauisch sind.

Seit Jahren verschwinden junge Frauen ­indigener Herkunft spurlos entlang des Transcanada-Highways.

Seit Jahren hat sich die Polizei nicht besonders dafür interessiert.

Seit Jahren hat sich die Polizei nicht sonderlich darum gekümmert.

Seit Jahren werden die Natives benachteiligt, unterdrückt und diskriminiert.

Eine Mitarbeit der Cree-Indianer wäre aber nicht nur wünschenswert sondern dringend notwendig, denn es werden weitere Opfer befürchtet.

Nicht nur LeRoux und Garner sind hinter dem Täter her. Auch Leon, der Cousin der ermordeten 15-Jährigen, macht sich an die Arbeit, um den Mörder von Jeanette zu überführen.

Die 1960 geborene Frauke Buchholz hat mit „Frostmond“ einen ganz besonderen, tief- und abgründigen Kriminalroman über eine Thematik geschrieben, die nicht erfunden ist: der Rassismus und die Gleichgültigkeit gegenüber der indigenen Bevölkerung und die Mordserie an indigenen Frauen entlang des sogenannten „Highway of Tears“ sind keine Erfindung.

Die Diskriminierung im Alltag existiert, es gibt die Morde tatsächlich und die Behörden geben ihrer Aufklärung in der Tat keine große Priorität.

Frauke Buchholz zeigt eine Schattenseite Kanadas auf, führt uns zwei Parallelgesellschaften, nämlich die weiße und die indigene Bevölkerung, vor Augen und schreibt schonungslos, unverblümt und glaubhaft über ein Milieu, das vielen Lesern fremd und neu sein mag.

Man kann aus dem Text förmlich die Kompetenz und das Wissen der Autorin herauslesen.

Es verwundert nicht, dass sie über zeitgenössische indigene Literatur promoviert und einige Zeit in einem Cree-Reservat in Kanada verbracht hat.

Ich empfehle diesen spannenden und schlüssigen Pageturner, der ein überraschendes und actionreiches Ende mit fulminantem Finale hat, sehr gerne weiter!

4/5⭐️

🇨🇦

4 Gedanken zu “Buchholz, Frauke: Frostmond

  1. Du schwärmst dermaßen euphorisch von dem Roman mit Adjektiven wie fesselnd, spannend, herausragend, literarisch ansprechend sowie fulminant und lobst mehrfach die Kompetenz der Autorin…
    Warum hast du ihr den 5ten Stern verweigert? Wo liegt deines Erachtens die Schwachstelle?

    1. Bei der Zeichnung der Charaktere der Ermittler. Die hätten deutlich differenzierter und individueller ausgestaltet werden können. Und dann hätte es den 5. Stern gegeben…😉🤗

      1. Dann sind wir uns völlig einig, liebe Susi. Ich habe den Krimi in der LR gelesen und es gibt einige, die gerade die Ermittler ziemlich stereotyp empfinden.
        Über kleine andere Schwächen trägt der Spannungsbogen gut hinweg 😊
        Ich werde auch auf 4 **** kommen.

        1. …so sehe ich das auch. Kleine Schwächen, die gut kompensiert werden durch sehr viel Gelungenes.
          Schön, dass wir immer wieder Überlappungen in unseren Eindrücken feststellen🤗
          Und 4 Sterne bedeuten bei mir „sehr gut“👍🏼

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.