Curtis, Rye: Cloris

🇺🇸Rückblick und Veränderung vor dem Hintergrund einer Odyssee durch die Wildnis🇺🇸

Wir lernen in diesem lesenswerten Abenteuerroman die kinderlose 72-jährige Texanerin Cloris Waldrip kennen, die im August 1986 einen Flugzeugabsturz im Norden der USA überlebt hat und unerwartet und unbeabsichtigt in der öden, einsamen, trost- und gnadenlosen Wildnis der Bitterroot Mountains gelandet ist.

Ihr Ehemann, mit dem Cloris diesen Privatflug über die Bitterroot Mountains in Montana unternommen hat, und der Pilot der kleinen Propellermaschine haben leider nicht überlebt.

Obwohl eine Rettung unwahrscheinlich ist, scheint es, als wäre die zähe, widerstandsfähige, beharrliche, hartnäckige und manchmal wunderliche alte Dame, die nicht viel mehr als eine kleine Bibel, einen Stiefel ihres Mannes, Hausschlüssel, Taschentücher und Karamellbonbons dabei hat, nicht schutzlos und allein.

Und das scheint nicht nur so, denn ein Mann mit Kapuze wacht im Verborgenen über sie, während sie sich tapfer durch’s Dickicht schlägt und die etwas eigentümliche und ruppige Rangerin Debra Lewis glaubt daran, das Flugzeug und die Vermisste zu finden.

Die Enddreißigerin Debra ist trotz der hoffnungs- und ausweglos erscheinenden Situation zuversichtlich und macht sich mit ein paar skurrilen Freunden und Bekannten, darunter der exzentrische, alleinerziehende Vater Steven Bloor, auf die Suche.

Wahrscheinlich stellt dieses mutige Unterfangen auch eine überraschende und willkommene Abwechslung im Leben der in einer abgelegenen Hütte alleinlebenden Rangerin Debra dar, die von ihrem Mann übel betrogen wurde und Frust und Kummer in Rotwein zu ertränken versucht.

„Cloris“ wird ungeschönt und detailliert erzählt und ist eine mitreißende, spannende, oft komische und teilweise makabre und brutale Lektüre mit tollen Landschaftsbeschreibungen und zwei außergewöhnlichen und beachtlichen Frauen, deren Charaktere vielschichtig und glaubhaft gezeichnet sind.

Es macht Spaß, den beiden sonderbaren Frauen und den anderen schrägen Figuren zu folgen.

Nur eine, die einen Flugzeugabsturz überlebt und nur eine, die an deren Überleben glaubt. Viele Menschen suchen eine Frau. Alle sind zudem auch auf der Suche nach sich selbst. Alle haben ihre Macken, Sorgen und Nöte.

Ich empfehle diesen berührenden, unterhaltsamen und lebensklugen Debutroman von dem Texaner Rye Curtis sehr gerne weiter!

Er war kurzweilig und hat mir großes Lesevergnügen bereitet, auch wenn so Manches überzeichnet und bizarr und der Schluss etwas unrealistisch scheint.

Mir gefiel das, denn hinter diesem Schein kann man eine beeindruckende Tiefe entdecken und befindet sich eine komplexe Welt voller Abgründe, Ambivalenzen, Beschädigungen, Nöte, Probleme, Unregelmäßigkeiten und Brüche.

Es kommt auf die Lesart an und ist wie immer eine Geschmacksache. Und meinen Geschmack hat Rye Curtis getroffen.

5/5⭐️

🇺🇸

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.