Haig, Matt: Die Mitternachtsbibliothek

🎲 Man erschaffe sich eine gedankliche Spielwiese…🎲

Von Matt Haig habe ich bereits mit großem Vergnügen den Roman „Ich und die Menschen“ gelesen, so dass ich mich voller Vorfreude an „Die Mitternachtsbibliothek“ herangemacht habe.

Wir lernen die depressive Mittdreißigerin Nora Seed kennen, die sich mit einer Überdosis eines Antidepressivums suizidieren möchte.

Aber sie erwacht wieder und zwar um Schlag Mitternacht in einer Bibliothek.

Ihre ehemalige Schulbibliothekarin Mrs. Elms erwartet sie dort und erklärt ihr, dass sie sich in einer Art Zwischenzustand befindet: Nicht mehr lebendig, aber auch noch nicht tot.

In der Bibliothek warten ganz besondere Bücher auf Nora. Es sind Bücher, die, je nach getroffener Entscheidung, unterschiedliche Versionen von Noras Leben beinhalten.

In der Auseinandersetzung mit diesen verschiedenen Fassungen gewinnt Nora Einsichten und Erkenntnisse und letztlich hat sie die Möglichkeit, herauszufinden, welches „das richtige Leben“ für sie gewesen wäre.

Aber was bedeutet „das richtige Leben“? … ein Leben, in dem sie nicht depressiv ist, sondern Lebensfreude empfindet und Lebenslust verspürt.

Was hätte sie anders machen können, um glücklich zu sein?

Anhand der einzelnen Bücher erkennt Nora, dass jede andere Entscheidung als die getroffene sie auf einen anderen Pfad geführt hätte. Mit dem Aufschlagen der verschiedenen Bücher kann sie einen Blick auf diese Pfade werfen.

Der 1975 in Sheffield, England, geborene Matt Haig hat mit „Die Mitternachtsbibliothek“ einen originellen, bezaubernden und berührenden Roman geschrieben, aus dem melancholische und subdepressive Menschen sicher einiges an Weisheiten, Wahrheiten und Erkenntnissen mitnehmen können.

Wenn man die verschiedenen Bücher rechtzeitig aufschlägt, das Gedankenspiel Noras also schon zu Lebzeiten und frühzeitig durchführt, dann eröffnet man einen gedanklichen Spielraum, stößt auf alternative Wege und kann vielleicht individuell passendere Entscheidungen treffen.

Der Autor erzählt die originelle Geschichte um Nora feinfühlig, wortgewandt, bildhaft, symbolträchtig und packend.

Er beschäftigt sich mit Depressivität und Suizidalität und greift die Frage auf, inwiefern getroffene Entscheidungen dazu führen bzw. Auslöser für Zufriedenheit und Wohlgefühl sind.

Trotz der ernsten und tiefgründigen Thematik mangelt es aber nicht an Witz und Humor.

Der Text zeigt Möglichkeiten auf, regt zum Nachdenken an, gibt Impulse und schafft Hoffnung.

Mir gefällt die Idee hinter der Story außerordentlich gut. Es ist so wichtig, sich gerade in Phasen von Ratlosigkeit und Deprimiertheit zeitnah eine gedankliche Spielwiese mit verschiedenen Möglichkeiten auszumalen. Nur so kann man sich als Wesen begreifen, das Entscheidungsmöglichkeiten und Alternativen hat. Nur so kann man prüfen, was man wirklich möchte und was einem wirklich zusagt.

Matt Haig schreibt gefühlvoll, leicht und flüssig, verweist auf Theorien und Songs, streift Philosophisches, erwähnt das Offensichtliche und gibt einige Weisheiten zum Besten, aber all das, ohne aufdringlich, pathetisch, platt oder gefühlsduselig zu werden.

Er eröffnet ein weites Feld, stellt Themen in den Raum, wirft Fragen auf und regt zum Mit- und Nachdenken an, gibt aber keine vorschnellen und schlauen Antworten.

Ich empfehle den Roman, der durch Einfachheit, Klarheit und Tiefgründigkeit gekennzeichnet ist und dazu ermutigt, öfter mal den Blickwinkel zu verändern und die Ruder seines Lebens selbst in die Hand zu nehmen, sehr gerne weiter!

5/5⭐️

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