Janeczek, Helena: Das Mädchen mit der Leica

Helena Janeczek bringt uns mit ihrem preisgekrönten biografischen Roman eine ganz außergewöhnliche, willensstarke und mutige Frau näher: die Kriegsfotografin Gerda Taro.

Gerda Taro war eine deutsche Fotografin, die zusammen mit ihrem Partner Robert Capa die Schrecken und Grausamkeiten des Spanischen Bürgerkrieges dokumentierte. Sie war die erste Frau, die an einer Kriegsfront fotografierte.

Sie wurde 1910 in Stuttgart als Gerta Pohorylle geboren. Die Tochter jüdischer Eltern verbrachte den Großteil ihrer Kindheit und Jugend in ihrer Geburtsstadt. Mit 19 Jahren zog die energiegeladene junge Frau mit ihrer Familie nach Leipzig, wo sie für den Sozialismus entbrannte. Anfang der 1930-er Jahre flüchtete sie vor den Nationalsozialisten nach Paris, wo sie sich erst mit Schreibarbeiten über Wasser hielt und dann ihre Leidenschaft fürs Fotografieren entdeckte.

Schließlich lernte sie den ebenfalls jüdischen Flüchtling Endre Ernő Friedmann, einen ungarischen Fotografen, kennen- und lieben. Die beiden lebten und arbeiteten fortan zusammen und legten sich die Pseudonyme Gerda Taro und Robert Capa zu, eine Marketingstrategie, die ihren Ruf und ihre Einkünfte aufmöbeln sollte.

Ihren Einsatz im Spanischen Bürgerkrieg überlebte Gerda nicht. Sie wurde auf der Flucht aus der Kampfregion von einem Panzer überrollt und verstarb 1937 an ihren Verletzungen.

Obwohl Zehntausende trauerten und obwohl es einen Trauerzug und ein Grabmal gab, wurde Gerda Taro danach über Jahrzehnte hinweg vergessen… bis 2007 in New York unzählige Negative, seltene und wertvolle historische Zeitzeugnisse, in einem Koffer gefunden wurden.

Die Autorin übersetzt die Biographie einer außergewöhnlichen, klugen, engagierten und starken Frau in ein berührendes, informatives und absolut lesenswertes literarisches Werk.

In drei Teilen und aus drei Perspektiven bringt sie uns das Schicksal dieser schönen Frau näher. Willy, der Herzspezialist, Ruth, die Freundin und Georg, der Arzt und Revolutionär, kommen zu Wort.

Besonders abwechslungsreich und authentisch wird die Lektüre durch Rückblenden, Erinnerungen, eingestreute Fotografien und diese Erinnerungsfetzen von den o. g. alten Freunden.

Ich empfehle diesen berührenden, informativen und unterhaltsamen Roman der 1964 in München geborenen Schriftstellerin Helena Janeczek sehr gerne weiter.

Sie hat mit ihrem Werk, in dem sie gekonnt Fiktion mit historischen und biografischen Fakten verwebt, meinen Horizont erweitert und mir vergnügliche Lesestunden beschert. Ihre Sprache ist ein Hochgenuss, der über manche Aus- oder Abschweifung hinwegtröstet.

5/5⭐️

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