Knöppler, Florian: Kronsnest

Der 1966 geborene Autor Florian Knöppler hat seinen Debutroman in der Elbmarsch angesiedelt.

Er kennt sich in dieser Region gut aus, da er selbst seit einigen Jahren mit seiner Familie auf einem Hof in Schleswig-Holstein lebt.

Seine Geschichte spielt allerdings nicht in der Gegenwart, sondern in der Umbruchphase der späten 1920-er Jahre, in der sich tiefgreifende politische Veränderungen vollzogen und in der die Wirtschaftskrise so manch einem das Leben schwer machte.

Völlig unaufgeregt erzählt Florian Knöppler die Geschichte des 15-jährigen feinfühligen und v. a. zu Beginn unsicheren und verletzlichen Bauernsohns Hannes, der den Härten der Zeit, des bäuerlichen Lebens und den erschwerten Bedingungen mit einem nicht selten cholerischen und im Verlauf alkoholkranken Vater ausgesetzt ist.

Seinem Vater, der roh, launisch und oft jähzornig und gewalttätig ist, kann er nichts recht machen.

Seine eher zurückhaltende Mutter steht zwischen den beiden und versucht, zu vermitteln.

Die Situation zu Hause spitzt sich zu. Anscheinend war der Vater aber nicht immer so aggressiv.

Hannes, dessen Lebensweg als Landwirt vorprogrammiert ist, ist aufgrund seines eher ängstlichen und verschlossenen Auftretens den Angriffen streitlustiger Mitschüler ausgesetzt. Glücklicherweise gibt es einen wohlgesinnten Lehrer.

Tagträume, Bücher und seine Liebe zu Tieren helfen ihm über die schweren Momente hinweg und als er sich in Mara, die psychisch labile Tochter eines Großbauern, verliebt, beginnt eine Berg- und Talfahrt der Gefühle.

Hannes entfremdet sich von seinem besten Freund Thies, was das Ganze auch nicht gerade leichter macht.

Der Autor, der meines Erachtens exzellent recherchiert hat, schreibt gleichzeitig lebendig sowie in einer schlichten und nüchternen Sprache, die auch von einer gewissen Poesie getragen wird.

Wortkargheit, Reserviertheit und Pragmatismus der Leute werden auf diese Weise wunderbar gespiegelt.

Er zeichnet überwiegend glaubwürdige Figuren mit Ecken und Kanten, die man gern kennenlernt und begleitet.

Er schafft es, Spannung aufzubauen und erweckt mit stimmungsvollen Bildern Landschaft und Natur zum Leben.

Ganz besonders gut gefallen hat mir die glaubwürdige, feinfühlige und detaillierte Darstellung der familiären Problematik und des Konflikts zwischen Vater und Sohn vor dem Hintergrund einer politisch und wirtschaftlich bewegten Zeit.

Auch die feinsinnigen Natur- und Personenbeschreibungen haben mich überzeugt.

Dass es im Verlauf hin und wieder Längen gab und dass das ein oder andere nicht ganz schlüssig und nachvollziehbar war, minderte meine Freude an der Lektüre kaum.

Ich empfehle den Roman sehr gerne weiter!

„Kronsnest“ ist gleichzeitig ein interessanter historischer Roman mit aufschlussreichen zeitgeschichtlichen Aspekten, eine bewegende und fesselnde Familiengeschichte sowie eine berührende Entwicklungsgeschichte.

4/5⭐️

🇩🇪

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